AIZ gGmbH und Hotel INNdependence mit Rudolf-Freudenberg-Preis 2021 ausgezeichnet

Gewinner Rudolf-Freudenberg-Preis 2022

(Von rechts nach links) Laudator Karl-Friedrich Ernst, Leiter des Integrationsamtes des KVJS, Stefan Vogt, stellvertretender Geschäftsführer der Freudenberg-Stiftung, Laudator Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Team AIZ gGmbH mit Geschäftsführer Holger Klein und Team INNdependence mit Hotelleiter Alexander Tränkmann. Foto: Harald Fuhr

„Innovative und kreative Konzepte in der Corona-Krise“ war das Motto des Rudolf-Freudenberg-Preis 2021. Gewonnen haben ihn gleich zwei Unternehmen, die mit herausragenden Ideen der Pandemie begegneten.

Es war nicht einfach für die Jury. Für den Rudolf-Freudenberg-Preis 2021 wurden eine Vielzahl guter Konzepte eingereicht, die den Ideenreichtum und die Kreativität der Inklusionsunternehmen in schwierigen Zeiten bewiesen. Zwei Konzepte stachen besonders hervor. Beide fanden innerhalb kurzer Zeit passende Antworten auf eine Krise, die uns alle unvorbereitet traf.

Gewonnen haben die AIZ gGmbH, die großen Geschäftssinn bewies, indem sie einen Desinfektionsständer entwarf und produzierte, der zum Kassenschlager wurde, sowie das Hotel INNdependence, das viel Herz bewies, indem es mitten im Lockdown wohnungslosen Menschen eine Heimat gab.

Alexander Tränkmann, Leiter des Hotels INNdependence (links), und Holger Klein Geschäftsführer, Geschäftsführer AIZ gGmbH (rechts). Fotos: Harald Fuhr

Die Laudatoren Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, und Karl-Friedrich Ernst, Leiter des Integrationsamtes des Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, würdigten in ihren Reden das große Engagement, mit denen die Unternehmen die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeitenden mit und ohne Behinderung sicherten und dabei große Mitmenschlichkeit und Einfallsreichtum bewiesen.

AIZ gGmbH machte aus der Not eine Tugend und ging bereits wenige Tage nach Pandemiebeginn mit einem selbst entwickelten Desinfektionsständer auf den Markt. © AIZ gGmbH

Die AIZ gGmbH wurde 2006 gegründet und hat ihren Sitz in Albstadt, Baden-Württemberg. Sie ist in den Bereichen Blechbearbeitung, Laser- und Serienschweißen, Schlosserei sowie Vertrieb aktiv. 27 ihrer 53 Mitarbeitenden haben eine anerkannte Schwerbehinderung. Gesellschafterin ist die Stiftung Lebenshilfe Zollernalb.

Auf die Corona-Pandemie reagierte die AIZ gGmbH prompt und entwickelte innerhalb weniger Tage den DESI2GO Desinfektionsständer, der bereits Anfang März 2020 auf den Markt ging. Die Presse griff das neue Produkt auf, das innerhalb kurzer Zeit einen hohen Absatz fand. Heute gibt es eine ganze Produktfamilie um den DESI2GO, die von Menschen mit und ohne Behinderung entwickelt und produziert wird. Ein beeindruckender Erfolg für das Inklusionsunternehmen, das aufgrund seiner Neuproduktion im Jahr 2020 weder auf Kurzarbeit noch auf Corona-Hilfsprogramme angewiesen war.

In der Krise den Zusammenhalt stärken. Das INNdependence nahm im Corona-Jahr 2020 wohnungslose Menschen auf und schuf so einen unerwarteten Mehrwert für den Betrieb und die Mitarbeitenden. © gpe

Das Mainzer Tagungshotel INNdependence ist ein Inklusionsbetrieb der gpe – Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen und wurde 2001 gegründet. 14 der 18 Mitarbeitenden haben eine Behinderung.

Der Beginn der Pandemie im März 2020 war für das 3 Sterne Superior Hotel wie eine Vollbremsung. Eine große Zahl an Stornierungen zwang das Hotel dazu, seine Mitarbeitenden in Kurzarbeit zu schicken. Als bekannt wurde, dass der Mainzer Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. eine sichere und feste Unterbringung für die vulnerabelsten unter den Obdachlosen forderte, reagiert die gpe prompt. Wenige Tage später zogen die ersten wohnungslosen Menschen ein. Insgesamt beherbergte das INNdependence 35 obdachlose Gäste. Die Mitarbeitenden konnte so aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden. Der Mehrwert des Engagements war aber weitaus größer. Die Aktion hat den Betrieb und seinen Mitarbeitenden Mut gemacht, Vorurteile beseitigt, Chancen aufgezeigt und Wirkung entfaltet. Heute nimmt das INNdependence geflüchtete Menschen aus der Ukraine auf und beweist dabei erneut soziale Verantwortung und Menschlichkeit.

In Partnerschaft mit der bag if zeichnet die Freudenberg Stiftung jedes Jahr innovative Geschäftsideen und Kooperationsformen im Bereich der Inklusionsunternehmen mit dem Rudolf-Freudenberg-Preis aus. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis erinnert an den Sozialpsychiater Dr. Rudolf Freudenberg, der in der NS-Zeit nach England emigrieren musste und als Wegbereiter für die arbeitsorientierte Reform der Psychiatrie gilt. Der Rudolf-Freundberg-Preis 2021 wurde coranabedingt nicht auf der Jahrestagung 2021 verliehen, sondern am 5. Mai 2022 auf der bag if Vergabe-Konferenz.

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